Mr. and Mrs. Datenschutz – Kunden, über die wir gerne reden

Wie gerne würden wir über jeden schrägen Kunden plaudern, wären da nicht Mr. und Mrs. Datenschutz. Tun wir’s doch einfach. Natürlich (!) mit geänderten Namen und Hintergrundinformationen. Schweigepflicht ist Schweigepflicht und niemand will seinen Namen öffentlich lesen.


Der Schnacker

(von schnacken [ˈʃnakn̩] , in Norddeutschland, umgangssprachlich:
schwatzen, plaudern, sich unterhalten)

Es gibt Kundinnen und Kunden, bei denen man üblicherweise etwas länger braucht als bei anderen Kunden*. Woran das liegt? Sie kauen einem das Ohr ab.

Ich unterhielt mich also mit dem Kunden, nennen wir ihn Herrn Wild, der zwar auch wegen seiner Hörgeräte da war, aber hauptsächlich zum reden. Nachdem ich die Hörsysteme in der Werkstatt gewartet und gereinigt hatte, ging ich zurück zu meinem Kunden. Herr Wild zeigte mir viele verschiedene Zeitungsausschnitte, die er gesammelt hatte und erzählte von seiner beruflichen Vergangenheit. Irgendwann gab er mir eine Telefonnummer auf einem Zettel, die ich für ihn anrufen sollte. Das ist beim Hörakustiker nicht ungewöhlich. Viele Kunden werden abgeholt oder möchten mit dem Taxi fahren. Da einige Kunden mit einer fortgeschrittenen Hörminderung logischerweise nicht mehr so gut oder gar nicht telefonieren können, hilft man natürlich gerne.

Mit halbem Auge sah ich, wie meine Kollegin hinter dem Kunden auftaucht und mit beiden Armen fuchtelt. Ich sehe sie an und sie flüstert: ” Nicht da anrufen! Nicht anrufen! Auf keinen Fall da anrufen”. Fragender Blick meinerseits. “Nicht anrufen, es ist immer eine Sexhotline!”

Made my day!

Der Grantler

(von granteln süddeutsch und österreichisch umgangssprachlich: fortwährend schlecht gelaunt, verdrießlich (grantig) sein und sich entsprechend negativ äußern)

Die Spezies des Grantlers ist dem Akustiker bestens bekannt. Das Kundenklientel hat ein hohes Alter und häufig ein ähnlich hohes Maß an schlechter Laune.

Natürlich kommen diese Menschen mit ihren Hörsystemen genauso wenig klar wie mit dem Fernseher, dem Radio, der Ehefrau…

Nein. das ist nicht die richtige Batteriegröße. So funktioniert das Gerät wirklich nicht.

Ein Kundin, nennen wir sie Frau Schnell, verbringt das halbe Jahr stehts in einem Land mit tropischem Klima. Das Land, nehmen wir hier als beispiel Sri Lanka, hat eine hohe Luftfeuchtigkeit. Frau Schnell erwähnte Sri Lanka in jedem einzelnen ihrer Sätze. Zwei Minuten mit der Kundin haben mich die Geduld einer ganzen Woche gekostet. Ihre Hörgeräte funktionieren nicht. In Sri Lanka gingen die auch nicht. Sie sei auch schon vier Mal bei uns gewesen deswegen, weil die in Sri Lanka nicht gingen. In Sri Lanka ging gar nichts! Also funktioniert haben die nicht. Des is a Glump (für alle Norddeutschen unter euch “Das Gerät ist kacke. Wertlos. Kann nichts.”).

Natürlich versucht man als Verkäufer oder Servicemensch irgendwie das Sachohr oder Apellohr zu aktivieren um herauszufinden, was die Kundin eigentlich wirklich will. Es stellte sich im Verlauf des unfassbar langen und nervenaufreibenden Gesprächs heraus, dass die Kundin trotz wiederholtem Erklärens und zwei (!) Jahren Nutzung (angeblich hat sie sie auch benutzt) mit der Handhabung des Hörgerätes überhaupt nicht zurechtkam. Und die Batterien (die eben nur sieben Tage halten) kein einziges mal  in sechs Monaten in der unfassbaren lebensfeindlichen Luftfeuchtigkeit *augenroll* gewechselt hatte. So waren die Hörgeräte auch nicht kaputt, sondern einfach nur die Batterien leer…. sowas liebt man als Akustiker am meisten.

 

*Für bessere Lesbarkeit benutze ich in diesem Artikel “Kunden” und “Akustiker”, obwohl gleichermaßen Kundinnen, Kunden, Akustiker und Akustikerinnen gemeint sind. Jeden Geschlechtes.

Habt ihr auch tolle Kundengeschichten? Was erlebt ihr tagtäglich? Bitte schreibt gerne in die Kommentare! Euch allen einen schönen Tag! 🙂

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