Hörgeräteanpassung? – Das Vorgehen

Wie gehe ich bei einer Hörgeräteanpassung vor?

In Kürze

Die Anpassung gliedert sich grob in drei Phasen

  • Bedarfsprofil des Kunden ermitteln (Anspruch und Nutzungsverhalten)
  • Audiologisch begründeten Bedarf feststellen (Hörverlust + Basisanpassung)
  • Feinanpassung nach dem subjektiven Eindruck des Kunden

Das Bedarfsprofil

Als erstes müssen wir erfassen, was der Kunde von dem Hörgerät erwartet und welche Nutzungsgewohnheiten er an den Tag legt (Kießling et al. 2008: 100). Je nach persönlichem Bedarf kann die Hörgeräteauswahl erfolgen. Das landläufige Vorgehen ist, den Anspruch an die Geräte in einem ersten Beratungsgespräch zu ermitteln. Hierbei befragt der Hörakustiker den Kunden auf Grundlage eines Fragebogens (z.B. COSI). Die (gemeinsam) ermittelten Ziele sollten (für Kollegen und die Nachwelt) festgehalten werden und beim nächsten Termin erneut besprochen werden.

Weitere Aspekte
  • Kosten
  • Bedienbarkeit
  • Bauform
  • Ausstattung (Hörprogramme)
  • Anschlussmöglichkeiten (Smartphone, TV, Telefon…)

Basisanpassung

Die Aufgabe des Hörakustikers ist, ganz klar, “Schallsingnale des täglichen Lebens adäquat hörbar zu machen” (Kießling et al. 2008: 101). Wenn das immer so einfach wäre…

Also müssen die Eingangspegel  in die Restdynamik des Kunden versetzt werden. Die eingangspegelabhängigen Frequenzgänge müssen so gewählt werden, dass für alle Eingangspegel in jeder Frequenz eine angemessene Lautheit erreicht wird.

Alles klar soweit?

Nach dem ersten Tragen (zweiter Termin)

In dieser Phase wird das Trageverhalten des Kunden erfragt. Wie ist er mit den Geräten zurecht gekommen? Wie war die Wahrnehmung in welchen Situationen? Wie häufig hat er die Hörgeräte getragen? Auch hier kann mit dem COSI-Fragebogen vorgegangen werden. “Der besondere Wert des COSI-Fragebogens besteht darin, dass er ausschließlich die persönlichen Ziele und Erwartungen des Hörgeräteträgers erfasst und keine irrelevanten Fragen beinhaltet.” (Kießling et al. 2008: 100). Hierbei werden die folgenden Hörsituationen abgefragt:

  • Unterhaltung in Ruhe (1-2 Personen)
  • Unterhaltung im Geräusch (1-2 Personen)
  • Gruppenunterhaltung in Ruhe
  • Gruppenunterhaltung im Geräusch (z.B. Restaurant, Stammtisch…)
  • Fernsehen / Radio bei normaler Lautstärke
  • bekannter Sprecher am Telefon
  • unbekannter Sprecher am Telefon
  • Telefon aus dem anderen Zimmer hören
  • usw.

In der Praxis ist diese Form der Befragung in etwas verkürzter Form vorzufinden. “Zudem sind Quervergleiche mit anderen Befragungen nicht möglich, da unterschiedliche Fragen und Zielgrößen (Skalen, Dimensionen) benutzt werden” (Kießling et al. 2008: 100).

Feinanpassung

Hierbei gibt es verschiedene Vorgehensweisen. Ich werde hierbei auf die gleitende Anpassung eingehen. Bei der gleitenden Hörgeräteanpassung wird nicht von Tag 1 eine vollkommene Kompensation des Hörverlustes angestrebt. Erstmal wird die Gesamtverstärkung reduziert, so dass der Kunde Zeit hat sich an den neuen Klang und die Lautstärke zu gewöhnen. Die Verstärkung des Hörgerätes wird hierbei schrittweise erhöht, zum Beispiel im Rhythmus von Wochen oder Monaten. Einige Gerätetypen sind auch so programmierbar, dass die Geräte automatisch ihre Verstärkung über einen bestimmten Zeitraum schrittweise erhöhen. Im Hause ReSound lassen sich moderne Gerätetypen via App feinanpassen.

Für die Erstversorgung bezeichnet Kießling die gleitende Anpassung als “unverzichtbar”.

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Quellenangabe
 Kießling, Kollmeier, Diller (2008): Versorgung und Rehabilitation mit Hörgeräten, 1.Aufl., Stuttgart: Georg Thieme Verlag KG.

 

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3 Antworten

  1. finn sagt:

    Such nach einem Hörgerät. Es wurde dem Opa verschrieben. Weiß aber nicht, womit anzufangen, die haben doch unterschiedliche Charakteristika. Ganz dankbar für die Tipps zur Anpassung! Die helfen mir, damit sich der Opa richtig mit dem Gerät abfindet.

  2. Philip sagt:

    Interessanter Artikel,
    in der Basisanpassung beschreibst du die Anpassformel DSL v5.0.
    Damit wird das Eingangssignal der Restdynamik des Hörgeräteträgers angepasst um ein natürliches Lautheitsempfinden zu ermöglichen.
    Genug kluggeschissen.

    Liebe Grüße
    Philip

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